marie cori

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Wo die Welt endet und der Weihnachtsmann wohnt [Norwegen-Rundreise – Teil 2]

Dank meinen Eltern konnte ich meinen ERASMUS-Aufenthalt in Norwegen mit einer zweiwöchigen Fahrt quer durch Skandinavien abschließen. Mit dem Busunternehmen Weingartner Reisen reisten wir Ende Juni bis Anfang Juli von Oslo bis zum Nordkapp, dann durch Finnland bis nach Helsinki,  mit der Fähre nach Stockholm und schließlich mit dem Flugzeug zurück nach München. Einen schönenen Abschluss meines Ausland-Abenteuers hätte ich mir nicht wünschen können!

Weingartner Reisen – Royal Class Bus

Im ersten Teil der Reise fuhren wir von der norwegischen Hauptstadt Oslo bis nach Harstad auf Norwegens größter Insel Hinnøya (abgesehen von Spitzbergen).


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Harstad ist eine Anlegestelle für die Schiffe der „schnellen Route“ (=Hurtigruten). Seit ca. 120 Jahren verbindet die Linie Norwegens Städte an der Westküste von Bergen im Süden bis Kirkenes hoch im Norden. Die Schiffe sind Postdampfer, Frachter und Passagierschiff in einem, wobei der Passagieraspekt inzwischen im Vordergrund steht. Unser Schiff – die MS Nordnorge – brachte uns von Harstad bis nach Tromsø.

Die MS Nordnorge der Hurtigruten-Flotte
Die MS Nordnorge der Hurtigruten-Flotte

Das Schiff war äußerst komfortabel und es gab es sogar beheizte Bereiche außen auf dem Deck, sodass fast ein wenig Sommerlaune aufkam. Stellte man sich jedoch an die Reling am Bug des Schiffes blies der Wind so kräftig, dass man sich mit ausgestreckten Armen dagegen lehnen konnte.

Am Nachmittag kamen wir in Tromsø an. Die Stadt hat historisch aber auch aktuell einiges zu bieten. Sowohl Fridtjof Nansen als auch Roald Amundsen brachen von hier rund um 1900 zu ihren Polarexpeditionen auf. 1940 war Tromsø sogar für kurze Zeit Hauptstadt Norwegens, da der Süden des Landes bereits von Deutschland besetzt war. Nachdem der König und die Regierung das Land notgedrungen verlassen hatten, ankerten in der Stadt Überwasserschiffe der deutschen Kriegsmarine. Die deutsche Tirpitz, das bis heute größte Schlachtschiff Europas, lag vor Tromsø, als es am 12. November 1944 bei einem Luftangriff der Royal Air Force zum Kentern gebracht wurde.

Heutzutage bietet Tromsø eine Vielzahl an „nördlichsten Sehenswürdigkeiten“: unter anderem die nördlichste Brauerei, das nördlichste Planetarium und die nördlichste Universität der Welt. Als Wahrzeichen der Stadt kann jedoch die sogenannte Eismeerkathedrale (norwegisch: Ishavskatedralen, eigentlich Tromsdalen kirke) gelten. Sie fällt sofort durch ihre ausgefallene Architektur auf und soll sowohl die Polarnacht, die Mitternachtssonne als auch das Nordlicht symbolisieren.

Die Eismeerkathedrale
Die Eismeerkathedrale

Das Wetter war sonnig und erstaunlich warm. Unsere Hoffnung wurde größer, dass wir am Nordkap tatsächlich die Mitternachtssonne erleben würden. Diese ist nämlich sehr häufig von Nebel oder Wolken verdeckt.

Auf dem Weg nach Honningsvåg
Auf dem Weg nach Honningsvåg

Von Tromsø aus fuhren wir den ganzen Tag bis wir gegen 19 Uhr in unserem Hotel in Honningsvåg ankamen, der nördlichsten Stadt Europas.

Rica Hotel Nordkapp
Rica Hotel Nordkapp

Gegen 21:00 ging es dann los zum Nordkap, dem etwa 300 Meter hohen Schieferplateau am nördlichen Ende Europas. Es liegt auf der Insel Magerøya und ist somit nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes. Es ist zudem nicht einmal der nördlichste Punkt der Insel. Mit diesem Titel darf sich die Landzunge Knivskjellodden schmücken, die westlich des Kaps noch etwa 1.400 Meter weiter in den Norden ragt.

Knivskjellodden – nördlicher als das Nordkap
Knivskjellodden – nördlicher als das Nordkap

Bekannt ist das Nordkap vor allem, weil es verhältnismäßig gut erreichbar ist und mit einer beeindruckenderen Aussicht aufwarten kann. Auf dem Plateau steht die Nordkaphalle, ein Informationszentrum für etwa 6000 Besucher mit Restaurant, ökumenischer Kapelle, Panoramafilm-Kino, Ausstellungen, Souvenirläden und einem Postamt. Am Rand des Plateaus erinnert ein großer Globus daran, dass jenseits der Steilwand nur noch der Nordpol liegt. Die Zivilisation hat man dort schon ein ganzes Stück hinter sich gelassen.

Glücklich am Rand der Welt
Nordkap

Um 0:00 Uhr standen wir im Windschatten der Nordkaphalle, stießen mit Sekt an und starrten die Sonne an. Sie schwebte ein ganzes Stück über dem Horizont und tauchte die Umgebung in warmes Licht wie bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang. Es war ein seltsam unwirkliches Gefühl, mein Körper fühlte sich überhaupt nicht müde an und mein Geist war aufgedreht, geradezu euphorisch. Und wie magisch es war, bei der Rückfahrt zu erleben, wie sich die Sonne langsam wieder höher über die karge Landschaft hob, ohne je unter den Horizont abgetaucht zu sein. Die Nacht war vorbei ohne je stattgefunden zu haben.

Mitternachtssonne am Nordkap
Mitternachtssonne am Nordkap

Der darauffolgende Morgen brachte den endgültigen Abschied: Wir verließen Norwegen und die Weiten Finnlands lagen vor uns.

Die letzten Kilometer in Norwegen fuhren wir auf der bekannten Rentierstraße nach Karasjok, dem kulturellen Zentrum des norwegischen Lapplandes.

An der Rentierstraße
An der Rentierstraße

Von dort ging es über die finnische Grenze und letztendlich nach Luostotunturi.Wir übernachteten in Holzhütten mit jeweils eigener Sauna (gemütlich!), aßen Rentierragout mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren zum Abendessen (nicht so spektakulär wie erwartet) und probierten Moltebeerenlikör zum Dessert (absolut überzeugend!).

Blockhütten des Lapland Hotel Luostotunturi
Blockhütten des Lapland Hotel Luostotunturi

Fühlt sich jemand beim Namen Luostotunturi auch an Mauri Kunnas Buch „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ erinnert? Nach Kunnas wohnt der Weihnachtsmann in einem kleinen Dorf am Fuße des Berges Korvatunturi. Weil dieser Berg aber sehr schlecht erreichbar ist, haben die Finnen den Weihnachtsmann (finn.: Joulupukki) kurzerhand nach Rovaniemi verlegt. Im Santa Claus Village kann man sich das ganze Jahr über der Weihnachtsstimmung hingeben und natürlich den Weihnachtsmann besuchen. Für uns hat dafür die Zeit leider nicht gereicht, aber zumindest Fotos von anderen Leuten mit ihm haben wir gesehen.

Santa Claus Village
Santa Claus Village

Nach den großartigen Landschaften in Norwegen kommt einem Finnland schon etwas eintönig vor. Stundenlang kann man nur durch ebene Wälder fahren, gelegentlich unterbrochen von verstreuten Seen. Zudem schwirrt eine Vielzahl von Mücken herum, die einem den Aufenthalt im Freien ungemütlich machen.

In den Städten hält sich das Ungezieferaufkommen glücklicherweise in Grenzen. Obwohl wir bei Dämmerung in unserer nächsten Station Jyväskylä unterwegs waren, belästigten uns keine Mücken. Wir machten einen Spaziergang durch die Stadtmitte und hinauf auf den Harju, einem zentral gelegenem bewaldeten Höhenzug mit Aussichtsturm. Der Ausblick war nicht besonders beeindruckend, aber die Stimmung bei Sonnenuntergang sehr schön.

Aussichtsturm in Jyväskylä
Aussichtsturm in Jyväskylä

Am nächsten Tag kamen wir früh in Helsinki an. Ich hatte keine Erwartungen an die Stadt und umso positiver war ich überrascht. Die finnische Hauptstadt bietet eine Vielzahl von beeindruckenden Gebäuden im klassizistischen, funktionalistischen und Jugendstil. Auch sämtliche Religionen finden hier ein Zuhause. Etwa ein Drittel aller orthodoxen Gläubigen in Finnland gehört zur Kirchengemeinde Helsinki. Ihre Hauptkirche, die Uspenski-Kathedrale, ist wahnsinnig pompös, sehr beeindruckend, aber dennoch auf überladene Weise schön.

Die orthodoxe Uspenski-Kathedrale
Die orthodoxe Uspenski-Kathedrale

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands trifft sich im Dom von Helsinki, einem der Wahrzeichen der Stadt, entworfen von Carl Ludwig Engel. Besser gefallen hat mir jedoch die Felsenkirche Temppeliaukio der Brüder Timo und Tuomo Suomalainen (1969 fertiggestellt). Der Innenraum wurde aus einem Granitfelsen gesprengt, die Steinwände sind als solche belassen. Geht man auf den Eingang zu, hat man eher das Gefühl gleich einen Bunker zu betreten, nicht eine Kirche.

Eingang der Temppeliaukio-Kirche
Eingang der Temppeliaukio-Kirche

An ihrer höchsten Stelle ist die Kirche nur 13 Meter hoch, wirkt aber um einiges höher. Ihre Kuppel besteht aus 22 Kilometer Kupferdraht und ist von 180 Fenstern umgeben, sodass stets Tageslicht hineinfallen kann. Wegen der guten Akustik finden hier viele Konzerte statt.

Innenraum der Temppeliaukio-Kirche
Innenraum der Temppeliaukio-Kirche

Ich hatte das Gefühl, dass Helsinki noch viel mehr zu bieten hat, als wir sehen durften. Ich hoffe, dass ich eines Tages noch einmal zurückkommen kann.

Am späten Nachmittag bestiegen wir unsere Viking Line-Fähre nach Stockholm. Wir konnten bis auf das höchste Deck des Schiffes und von dort den Sonnenuntergang beobachten. Der Polarkreis mit seiner Mitternachtssonne lag nun schon knapp 1000 Kilometer hinter uns.

Fahrt mit der Viking Line
Fahrt mit der Viking Line
Sonnenuntergang Viking Line

Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht in der Schiffskabine kamen wir am Morgen in Schweden an. Stockholm war die letzte Station unserer Reise und begrüßte uns mit 28°C und strahlendem Sonnenschein. Zunächst machten wir eine Stadtrundfahrt in unserem Bus, dann sahen wir ein paar Orte genauer zu Fuß an. Der erste war das Stadthaus, in dem jährlich das Nobelpreisbankett stattfindet. Normalerweise tagt hier jedoch die Stadtregierung und das Stadtparlament. Die riesigen Säle zeigen deutlich, dass die Schweden sich hier repräsentieren wollen. Ich fühlte mich eher an ein gigantisches Schloss erinnert, als ein Rathaus.

Das Rathaus Stockholms: Stadshus
Das Rathaus Stockholms: Stadshus

Besonders der Goldene Saal hatte etwas von einem Tempel oder einer ägyptischen Grabstätte. Mit fast 19 Millionen Blattgoldteilchen wurden hier Mosaike gestaltet. Definitiv beeindruckend, aber nicht ganz mein Fall. Leider wurden wir auch hier sehr schnell durchgetrieben. Für genauere Betrachtungen blieb keine Zeit, denn die nächste asiatische Reisegruppe drängte stets schon wenige Schritte hinter uns.

Der Goldene Saal im Stadthaus
Der Goldene Saal im Stadthaus

Wesentlich besser gefallen hat mir das Vasa-Museum, das wir daraufhin besichtigten. Die Vasa war ein Kriegsschiff der schwedischen Marine, das 1628 bei ihrer Jungfernfahrt wegen eines Konstruktionsfehlers kenterte. Der König wollte, dass sein mächtigstes Schiff besonders schön und beeindruckend aussehen sollte. Das daher erst nachträglich eingeplante zweite Kanonendeck machte das Schiff oberlastig und so konnte bei einer Windböe Wasser durch die offenen Kanonenpforten eintreten. Die Vasa sank mit etwa einem Drittel der Besatzungsmitglieder. Genau 333 Jahre später wurde die Vasa von Wissenschaftler geborgen. Nach der aufwendigen Konservierung steht das ganze Schiff nun im Vasa-Museum. Über 95 Prozent des Schiffs sind Originalbauteile aus dem 17. Jahrhundert.

Selbst wenn man Filme wie Fluch der Karibik gesehen hat, ist es unbeschreiblich ein Schiff aus dieser Epoche in voller Größe vor sich zu sehen. Auch heute noch würde die Vasa mit ihren Skulpturen und Holzschnitzereien bewundernde Blicke in den Häfen der Welt auf sich ziehen.

Die Vasa – ein Schiff aus dem 17. Jahrhundert
Die Vasa – ein Schiff aus dem 17. Jahrhundert

Am Abend trennten wir uns nach fast zwei Wochen von unserer Busreisegruppe. Ich war zwar wie erwartet mit Abstand die jüngste Teilnehmerin, aber mit meinen Nebensitzern (meist im Rentenalter) verstand ich mich nach ein paar Tagen sehr gut.  Besonders Spaß hat es gemacht, die seit Jahrzehnten verheirateten Paare zu beobachten. Sie kannten offensichtlich ihre jeweiligen Eigenheiten, neckten und stritten sich gerne, aber man merkte immer, wie tief ihre Zuneigung zueinander war. Einige von ihnen waren mithilfe von Busreisen schon weiter in der Welt herumgekommen als ich. Ich hoffe, dass auch ich im Alter noch so fit und abenteuerlustig sein werde.

Bevor meine Eltern und ich am nächsten Abend unser Flugzeug zurück nach München bestiegen, erkundeten wir Stockholm noch auf eigene Faust. Besonders die Altstadt (schwed.: Gamla Stan) hat es mir angetan. An einigen Stellen erinnerte sie mich sehr an Nizza, eine meiner unbestrittenen Lieblingsstädte in Europa. Es gab außerdem sehr schöne Läden und Cafés. In einer Eisdiele konnte man sogar zusehen, wie die Eiswaffeln selbstgemacht wurden.

Grand Hôtel und das Stockholmer Nizza
Grand Hôtel und das Stockholmer Nizza
Altstadt Stockholm (Gamla Stan)
Altstadt Stockholm (Gamla Stan)

Ohne den Druck zurück zum Bus zu müssen, konnten wir uns viel mehr Zeit lassen und entdeckten tatsächlich noch ein paar Perlen. Diese Kleinigkeiten, die eine Stadt liebenswert machen.

Stockholmer Souvenirladen
Stockholmer Allerlei
 Nach über sechs Monaten ging so mein Skandinavien-Abenteuer zu Ende.

Mir wurde der Übergang zurück in mein altes Leben leicht gemacht. Auf der Busreise konnte ich mich wieder an die deutsche Sprache (und den bayerischen Dialekt!), an das deutsche Essen und das Zusammensein mit meinen Eltern gewöhnen. Vielen Dank für alles, Mama und Papa! Das Heimkommen ist mir dennoch nicht leicht gefallen. Noch am Tag meiner Heimkehr sortierte ich großzügig Kleidung aus und bin auch jetzt noch dabei, meine Besitztümer zu verringern. In dem halben Jahr ist mir klar geworden, wie wenig man zum Leben braucht und wie belastend materieller Besitz sein kann.

Ich habe unvergessliche Erfahrungen gemacht, viele neue Freunde getroffen und ein fremdes Land lieben gelernt. Auch wenn ich hier nicht so aktiv war wie geplant, hoffe ich, dass dieser Blog einen kleinen Einblick in mein norwegisches Leben geben konnte spannend, kurzweilig und interessant.

Danke an alle, die mitgelesen und kommentiert haben!

Eure Corinna

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